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Geschichte(l)

Kokoschka's Blick von Steyregg auf Linz

Oskar Kokoschka erhielt im Jahre 1955 seitens der Stadt Linz den Auftrag, gegen ein Honorar von 100.000 Schilling die Landeshauptstadt zu malen.

Wenngleich Oskar Kokoschka zu dieser Zeit bereits internationale Berühmtheit erlangt hatte, so war  der Auftrag im Linzer Gemeinderat doch umstritten: "Wenn drei Linzer Künstler beauftragt worden wären, hätten wir für dasselbe Geld drei Linzer Landschaften gekriegt!"

Die Standortsuche für den ergiebigsten Blick auf das Linzer Becken erwies sich als schwierig. Nach längeren, erfolglosen Spaziergängen entdeckte Oskar Kokoschka einen Platz am Steyregger Pfenningberg und schuf dort von April bis Mai 1955 die sogenannte "Linzer Landschaft".

In einem Brief an seine Schwester Berta schrieb der entnervte Kokoschka am 21. April 1955 aus Linz:
"Ich muss jeden Tag, seitdem es aufhörte zu schneien, auf einen Berg hinauf, halben Weg fahre ich mit dem mir beigestelltem Auto, halben Weg muss ich steigen, oben bläst der Wind wie närrisch, alle zehn Finger frieren nach 2-3 Stunden völlig ab, so dass mir aus den Händen fällt, was ich halte. Und die Leinwand wackelt wie ein Segelflieger. Trotzdem muss man noch glücklich sein, dass es nicht regnet und bald der richtige Frühling kommt. Die Ansicht ist so fad, dass ich am ersten Tag ordentlich verzweifelt war. Weil ich mir aber sagte, ich fahre nicht 18 Stunden mit der Bahn umsonst nach Villeneuve zurück, so werde ich halt eine Lösung finden. Ein Starrschädel ist auch zu etwas gut. Tief unten, parallel zum Bildrand ist die Donau, darüber lange, weite, grüne wiesen, links die fast amerikanischen Industrieanlagen, aber weit im Hintergrund, Im Mittelpunkt, auch miniaturhaft nur zu sehen, die Stadt, rechts weit hinten, die Hafenanlagen. Links und rechts im Vordergrund Hügel mit dürren Bäumen, die das Bild einrahmen. So was Fades habe ich noch nie gesehen, aber ich werde was draus machen. [...] Mir geht Linz schon tüchtig auf die Nerven, besonders die Tage, wenn ich nichts tun konnte und im Zimmer saß, schreiben wollte, was nicht lange anhielt, weil ich unruhig und ungeduldig war. Zuhause blüht schon manches, und ich sehe es nicht. Schreib mir noch hierher, weil ich sicher noch bis 5.-6. Mai hier dunsten muss, vielleicht noch länger, was Gott verhüte."

Am 11, Mai 1955 berichtet Oskar Kokoschka seiner Schwester Berta: "Meine Sicht von Linz und Donautal und mächtigen rosa und schwefelgelb und violett rauchenden Schmelzöfen wurde fertig, und der Bürgermeister, Kultursenator etc. waren sehr begeistert und geehrt, dass OK die Stadt Linz so für das dortige Museum verewigt hat..."

In seine Heimat zurückgekehrt, verfasste Oskar Kokoschka zwei herzliche Dankschreiben an die Stadt Linz. Dem Bürgermeister Koref schildert der Maler die Entstehung der "Linzer Landschaft" mit den überschwänglichen Worten: "Ich hatte Glück mit dem Wetter, das von Tag zu Tag besser wurde, ohne Regen, während die Sonne (wie auf Wunsch) täglich, fast stündlich mit ihren Strahlen bald den Wiesenfleck, bald die Baumgruppe aus dem Winterschlaf weckte, bis am letzten Tag alle Glorie eines Maimorgens in einer unberührten Donauniederung und der rosa schwefelgelbe und violette Dampf der Schmelzöfen ein concerto grosso musizierten zur Freude des Malers und der Stadtväter."

Oskar Kokoschka wurde 1886 in Pöchlarn, NÖ geboren und verstarb 1980 in der Schweiz. Neben Klimt und Schiele zählt er heute zu denbedeutendsten österreichischen Klassikern des 20. Jahrhunderts.